Und warum „durchziehen“ oft genau der falsche Weg ist
Viele Frauen kennen es.
Eine Woche läuft alles rund. Du bist leistungsfähig, fokussiert, belastbar.
Und dann – plötzlich – fühlt sich alles schwer an. Training wird zäh. Motivation sinkt. Regelschmerzen kündigen sich an.
Was oft als „schlechter Tag“ abgetan wird, ist in Wahrheit ein biologisches System, das nach Rhythmus arbeitet.
Und genau dieser Rhythmus wird im Alltag – und leider auch im Sport – viel zu selten berücksichtigt.
1. Der weibliche Zyklus ist kein Störfaktor – er erfordert einen angepassten Trainingsplan
Der durchschnittliche Zyklus dauert rund 28 Tage (individuelle Abweichungen sind normal). Er besteht aus vier Phasen:
1.1 Menstruation (Tag 1–5)
Tag 1 ist der erste Tag der Blutung. Der Körper befindet sich in einer hormonellen Tiefphase.
Viele Frauen berichten über:
Tag 1 und 2 sind häufig sinnvolle Pausentage. Nicht, weil „man nicht trainieren darf“ – sondern weil der Körper Regeneration braucht.
2.1 Follikelphase (ca. Tag 6–14)
Östrogen steigt. Die Insulinsensitivität ist höher. Stressresistenz nimmt zu.
Das ist die Phase für:
intensives Krafttraining
HIIT
Intervallläufe
Leistungssteigerung
Hier reagieren Muskulatur und Stoffwechsel besonders gut auf Trainingsreize.
1.3 Ovulation (Eisprung, meist um Tag 14)
Viele Frauen fühlen sich leistungsstark, selbstbewusst und energiegeladen.
Gleichzeitig steigt das Verletzungsrisiko leicht an – weil Risikobereitschaft und Intensität oft höher sind.
1.4 Lutealphase (ca. Tag 15–28)
Progesteron dominiert. Basaltemperatur steigt. Flüssigkeitsbedarf nimmt zu. Insulinsensitivität sinkt.
Hier profitieren Frauen von:
Grundlagentraining
moderater Intensität
Techniktraining
Regeneration
Nicht weniger Training – sondern anders periodisiert .
Warum viele Frauen stagnieren
Ein häufiger Fehler: Trainieren wie ein Mann.
Der männliche Hormonverlauf ist relativ konstant. Der weibliche ist zyklisch.
Wer permanent versucht, Höchstleistung zu bringen – unabhängig von der Phase – riskiert:
Gerade ambitionierte Frauen sind hier gefährdet.
Nicht, weil sie „zu viel trainieren“. Sondern weil sie zu wenig regenerieren und zu wenig zuführen.
Ernährung im Zyklus: Der unterschätzte Hebel
Die zweite Zyklushälfte bringt physiologische Veränderungen mit sich:
erhöhter Energieverbrauch
reduzierte Insulinsensitivität
erhöhter Flüssigkeitsbedarf
häufig stärkere Gelüste
Was jetzt nicht hilft:
Was hilft:
✔ Omega-3 -Fettsäuren ✔ Magnesium (krampflösend) ✔ Vitamin D ✔ Zink ✔ ausreichend Eiweiß ✔ komplexe Kohlenhydrate ✔ erhöhte Flüssigkeitszufuhr
Gerade Magnesium kann bei Regelschmerzen lindernd wirken. Omega-3 kann entzündliche Prozesse reduzieren.
Und: Viele „Cravings“ sind in Wahrheit Dehydrierung oder Energiemangel.
Training ohne Fueling? Ein großes Problem
Ein weiterer Punkt, der viele Frauen betrifft:
Intensives Training – aber keine gezielte Nährstoffzufuhr davor und danach.
Gerade nüchternes Training in hoher Intensität kann problematisch sein, wenn:
Energiezufuhr insgesamt zu niedrig ist
Du dich gerade in der Lutealphase befindest
Dein Training intensive, leistungssteigernde Elemente enthält
Proteinaufnahme unzureichend ist
Regeneration fehlt
Langfristig kann das zu einem relativen Energiemangelsyndrom führen. Im Extremfall bleibt die Periode aus.
Der Körper entscheidet dann biologisch logisch: „Schwangerschaft aktuell nicht priorisiert.“
Das ist ein Warnsignal des Körpers.
Krafttraining & Knochendichte: Ein unterschätzter Faktor
Ab dem 25.–30. Lebensjahr beginnt der natürliche Muskelabbau. Ohne Gegensteuerung verliert der Körper:
Muskelmasse
Kraft
Knochendichte
Maximalkrafttraining wirkt hier doppelt:
Gerade für Frauen ist das langfristig essenziell – nicht nur ästhetisch, sondern präventiv.
Warum zyklusbasiertes Training noch nicht Standard ist
Im Spitzensport wird der weibliche Zyklus oft ignoriert. Trainingspläne orientieren sich häufig an männlichen Modellen.
Dabei zeigen Beispiele wie der Frauenfußball beim Chelsea FC: Zyklusgesteuerte Trainingsplanung kann Leistung verbessern und Verletzungen reduzieren.
Der Satz bringt es auf den Punkt:
„Wir trainieren keine Männer in Frauenkörpern.“
Was du konkret mitnehmen kannst
Plane intensive Einheiten in die erste Zyklushälfte.
Nutze die zweite Zyklushälfte für Grundlagentraining und Regeneration.
Erhöhe in der Lutealphase deine Flüssigkeitszufuhr.
Achte auf Magnesium , Omega-3 und Eiweiß.
Höre auf deinen Körper – nicht auf deinen Ehrgeiz.
Periodisierung ist kein Leistungssport-Thema. Es ist ein Gesundheitsthema.
Fazit: Leistung entsteht im Rhythmus, nicht im Dauerstress
Der weibliche Zyklus ist kein Hindernis. Er ist ein biologischer Performance-Rhythmus.
Wer ihn ignoriert, kämpft gegen den eigenen Körper. Wer ihn nutzt, arbeitet mit ihm.
Zyklusbasiertes Training bedeutet nicht weniger Leistung. Sondern nachhaltige Leistungsentwicklung.
Gesundheit entsteht nicht durch „Durchziehen“. Sondern durch Systemverständnis.
Und genau dort beginnt echte Optimierung.
Wie kann ich mein Training an die Zyklusphasen anpassen, ohne alles kompliziert zu machen?
Orientiere dich grob: 1. Zyklushälfte eher intensiver (Kraft/Intervalle), 2. Zyklushälfte eher moderat (Grundlage/Regeneration). Wenn du dich gut fühlst, darfst du trainieren – entscheidend ist, ob sich Leistung und Erholung langfristig verbessern.
Welche Ernährung hilft in der zweiten Zyklushälfte bei Müdigkeit, Cravings und Regelschmerzen?
Setze auf frische Lebensmittel, viel Gemüse, ausreichend Eiweiß , Omega-3-Fette und magnesiumreiche Kost ; achte zusätzlich auf ausreichend Flüssigkeit . Das kann Entzündungsprozesse und Krampfneigung unterstützen und hilft vielen, besser durch die Phase zu kommen.
Sabine Steyer, BSc.
Diätologin
Diätologische Betreuung im Health, Longevity & Performance Center mit Schwerpunkt auf Nährstoffoptimierung in enger ärztlicher Zusammenarbeit. Spezialisiert auf Darmsanierung, Glukosetracking-Analyse und Testung des biologischen Alters sowie Schulung interner Teams und Zusammenarbeit mit Supplement-Partnern.
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